| In einer stadtbremischen Urkunde aus dem Jahre
1309 werden die Rechte an eine von der Bürgerschaft der Stadt
Bremen gemeinsam mit den Grafen von Stotel, Delmenhorst und Oldenburg
und einigen Adelsfamilien der Region erbauten Burg festgelegt. Einen
bedeutenden Anteil an dieser aus strategischen Gründen errichteten
Wasserbirg hatte das Adelsgeschlecht derer von Wersabe (später
Wersebe), das zur Sicherung der Gestung ein Kontingent von 60 gerüsteten
Reitern stellte. Es war nämlich nötig geworden, bei Vertragsbrüchen
und Aufständen einiger hiesiger Rittergeschlechter, wie bei
den Herren von Oumunde (später Blomendal) und von der Hude,
schnell zur Stelle zu sein und diese entsprechend zu befehden.
Das Dorf Meyenburg ging einmal aus dieser Gründung hervor.
Es entwickelte sich aus der Vorburg, die sich über den gesamten
Ortsteil "Damm" erstreckte. Der Familie von Wersebe war
bei der Unterhaltung des Anwesens eine führende Rolle zuerkannt
worden, aus der heraus sie schon bald eine wesentliche Kontrolle
über die Burg ausübte. Bereits im Jahre 1375 führt
ein Burgherr aus dieser Familie den Beinamen "geheten von der
Meyenborg".
Über die Bedeutung des Namens gibt es bis heute keine verbindliche
Erklärung. So soll er von den Maien, den Birken aus dem umgebenden
Moor abgeleitet worden sein. Die Wasserburg wurde nämlich mitten
im Moor auf einem Rost aus Eichenpfählen errichtet, das man
damals bis auf den festen Grund rammte. Auch "Meyenborch",
was "mächtige Burg" bedeutet, soll sie einst geheißen
haben. Denkbar ist ferner eine Verbindung mit "meyen"
im Sinne von "gemeinsam", man denke dabei an den Begriff
Almende. Das Wort Mejen kommt aus dem Holländischen und bedeutet
Sumpf. Möglicherweise wäre auch das eine Erklärung.
Mejenborg, eine Burg im Moor, im Sumpf.
Ein Knüppeldamm verband damals die Meyenburg mit der nahen
Geest, an dem sich beiderseits die ersten Siedler im Schutze der
Burg ansiedelten und nach Meierrecht dem Grundherrn verpflichtet
waren. Noch heute bildet dieser Damm als stattliche Bauernreihe
das Kernstück des alten Dorfes.
Nur die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe ist in jüngster
Zeit gravierend rückläufig. Viel Eigeninitiative war nötig,
um ein vom Land Niedersachsen unterstütztes Dorferneuerungsprogramm
in den Jahren von 1987 bis 1992 durchzuführen. Dadurch wurde
es vielfach möglich, alte Ständerhäuser, die ehemals
Mensch und Vieh unter einem Dach bargen, für Wohnzwecke zu
nutzen und so das alte Dorfbild in seiner ursprünglichen Struktur
weitgehend zu erhalten.
So vermittelt die Szenerie dem Besucher Meyenburgs von einigen störenden
Bausünden einmal abgesehen, den Eindruck einer nur noch selten
anzutreffenden dörflichen Geschlossenheit.
Die recht geräumige Dorfkirche passt sich in einem warmen
Ziegelrot optisch wohltuend ihrer Umgebung an. Sie gehört einfach
dazu. Im Jahre 1415 erteilte der Vatikan der Familie von Wersebe
die Genehmigung, hier ein der Heiligen Lucia geweihtes Gotteshaus
zu errichten.
Zuvor war Meyenburg noch in Aschwarden-Bruch eingepfarrt. In den
Jahren um 1985 brachten es viele Meyenburger Handwerker in ihrer
Kirchengemeinde fertig, vorwiegend in Eigeninitiative den Innenraum
der Kirche wieder nach alten Vorbildern umzugestalten. Mit einem
antiken Kanzelaltar, flämischen Leuchtern und einer angepassten
Farbgebung wurde nunmehr eine Ausstattung geschaffen, die sich wohltuend
an der Würde lokaler Kirchentradition orientiert.
Als besonderes Zeugnis verbindlicher Dorfgemeinschaft darf auch
das in den Jahren 1992 bis 1993 ausgebaute "Doorphus",
die ehemalige Schützenhalle, betrachtet werden. Hier legten
über 400 Meyenburger Frauen und Männer fleißig hand
an, um ein Dorfdomizil zu schaffen, das in vielfältiger Weise
die Nutzungsansprüche für Feste, Feiern und kulturelle
Veranstaltungen erfüllt. Die Gemeinde Schwanewede trug die
Sachkosten. Mit dieser Hilfe zur Selbsthilfe förderte sie ein
Projekt, das aus Eigeninitiative der Dorfbevölkerung erwuchs
und ihrer ständigen Obhut sicher sein kann.
Die Ortschaft Meyenburg ist nach wie vor landwirtschaftlich geprägt,
doch die Zahl der aktiven Höfe ist gerade in jüngster
Zeit stark rückläufig. Fast 1500 Einwohner (Sommer 2001)
sind heute im Dorf ansässig, die beruflich größtenteils
in Richtung Bremen orientiert sind.
Die Wohnqualität der Ortschaft wird auch gehobenen Ansprüchen
gerecht. Selbst namhafte Künstler siedelten sich hier an.
Meyenburg verfügt über eine einzügige Grundschule
und einen Kindergarten. Ein Lebensmittelgeschäft, eine Banknebenstelle,
eine Arztpraxis, zwei Gaststätten und ein Restaurant tragen
dazu bei, dass das Dorf zur Zeit noch ein geschäftiges Eigenleben
entfalten kann und nicht zu einem reinen "Schlafnest"
degradiert wurde. An Handwerksbetrieben bieten sich an: einen Landmaschinenschlosserei,
eine Dorfschmiede, zwei Tischlereien, ein Bio-Hof, eine Schafskäserei
und ein Kunsthandwerkerhof.
In Meyenburgs Umgebung mit hügeligem und baumbestandenen Kulturland,
aber auch mit Waldflächen, Heidezonen und einsamen Mooren locken
viele Wanderwege. Am Großen Kamp finden Reiter ideale Möglichkeiten.
Dort können auch Kutsch- und Kremserfahrten arrangiert werden.
Das Dorf weist zudem viele Sehenswürdigkeiten auf:
so der alte Dorfkern mit den malerischen Dach- und Ständerhäusern,
die Wassermühle am idyllischen Mühlenteich, die Großsteingräber
im nahen Forst Düngel oder auch das abgelegene Naturschutzgebiet
der "Heidhofer Teiche".
|