| Der quadratische Feldsteinturm mit seinen zwei Rundbogen-fenstern
beiderseits geht auf diese Zeit zurück. Türme dieser Bauart
gibt es nur noch in Berne auf der anderen Weserseite und in Hannover.
Es gibt in Deutschland nur zehn Kapellen dieser Art.
Charakteristisch sind vor allem die Säulen mit einfachen Würfelkapitälen
ohne jede Verzierung, die das für die Frühromantik bezeichnende
Kreuzgewölbe tragen. In den Jahren 1562 bis 1568 nahm Bremen
die reformierte Lehre an. 1581 ist der erste reformierte Prediger
nachgewiesen. Im Unterweserraum gibt es heute noch fünf evangelisch-reformierte
Gemeinden: Blumenthal, Farge, Aumund, Neuenkirchen-Rekum und Bremerhaven.
Im Jahre 1655 wurde die Turmspitze durch Blitzschlag zerstört.
Bereits 1688 konnte auch ein neues Pfarrhaus gebaut werden, das
aber schon 1703 wieder abbrannte. Der Ersatz brannte abermals 1740
ab. Trotz dieser Belastungen konnte 1768 die Erneuerung der Kirche
auf den alten Grundmauern in angriff genommen werden, der 1770 vollendet
wurde. Die Michaeliskirche war immer wesentlicher Mittelpunkt von
Neuenkirchen.
Aus Ihrer Geschichte sind daher viele Ereignisse Aktenkundig festgehalten:
1891 wurde abermals ein neues Pfarrhaus gebaut, 1897 schlug wieder
ein Blitz in den Turm. Im Jahre 1902 griff ein Brand von einen benachbarten
Hof durch Funkenflug auf die Kirche über und zog den oberen
Teil des Turmes in schwere Mitleidenschaft. Bei der Instandsetzung
erhielt der vorher höhere und schlankere Turm seine heutige
gedrungene Form mit der Höhe von 32 Metern.
Die Bedeutung Neuenkirchens für den Unterweserraum geht aus
der Tatsache heraus, daß dem Ort bereits 1588 Marktrecht verliehen
wurde. Jahrhunderte spielten die Viehmärkte eine große
Rolle. Nur der Oktobermarkt als Volksfest erinnert heute daran.
In dem Ort Neuenkirchen gibt es fast 2000 Einwohner.
Es gibt zwar noch Landwirtschaft, doch Handel, Handwerk und Dienstleistungen
sind in den Vordergrund getreten. Der unmittelbare Autobusanschluß
Neuenkirchen an das Bremer Nahverkehrsnetz wirkte sich sehr positiv
aus. Neuenkirchen ist heute eine moderne Wohngemeinde. 1956/58 wurde
eine moderne Schule errichtet, die inzwischen auch für die
Nachbarorte Rade, Aschwarden und die Weserinsel Harriersand als
Mittelpunktschule dient.
Im Jahre 1966 bildeten die drei westlichsten Orte des Kreises Osterholz,
Neuenkirchen, Rade und Aschwarden, die Samtgemeinde Neuenkirchen.
Ein neues Rathaus was 1966 eingeweiht wurde, war das lebendige Zentrum
dieser Samtgemeinde.
Es hatte aber nur 8 Jahre Lebensdauer, dann wurde die neue Großgemeinde
Schwanewede gegründet. Ein Kapitel in der Ortsgeschichte, das
den Namen Neuenkirchen bekannt machte ist das evangelisch Hospital,
das in den 60er Jahren zu Ende ging. Das Hospital fand in Lilienthal
eine neue Heimat, denn seit 1963 hat die Bundeswehr die Anlagen
wieder im Besitz.
Die Gösper Mühle zählt zu den ältesten Mühlen
im weiten Umkreis. In den folgenden Jahrhunderten wechselten die
Besitzer mehrmals. 1868 wurde die Mühle Johann Laue neu gebaut.
Heute ist nur noch das leere Mühlengebäude vorhanden.
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