| Rade ist - wie die ganze Osterstader Marsch - häufig
von Katastrophen heimgesucht worden. Am 01. November 1570 stand
ganz Osterstade nach einer Sturmflut unter Wasser. Besondere Erwähnung
hat in alten Chroniken die "Catarinenflut" von 1685 gefunden.
Aus dem Jahre 1703 sind mehrere Deichbrüche bei Rade registriert.
Die Weihnachtsflut im Jahre 1717 brachte "unbeschreibliches
Unheil". 1756 und 1825 kam es zu Deichbrüchen auf dem
gesamten Abschnitt von Rekum bis Rade.
Die 603 Hektar umfassende Flur liegt größtenteils nur
70 cm über dem Meeresspiegel. Die Fluten brachten jedoch nicht
nur von Zeit zu Zeit große Not über das Dorf, sondern
schufen mit dem fetten Marschboden auch eine der wesentlichen Voraussetzungen
für Viehzucht und Kohlanbau, die lange Zeit einen beachtlichen
Wohlstand begründeten. Neben Sturmfluten gab es zwei weitere
Schicksalsschläge für Rade, die das Ortsbild wesentlich
prägten.
Im April 1854 vernichtete ein Großfeuer 19 Höfe, im
Mai 1929 fielen elf Höfe den Flammen zum Opfer. Der Wind trug
den Brand von Hof zu Hof weiter, zumal er in den Reetdächern
gute Nahrung fand. Seit der letzten Brandkatastrophe gibt es seitdem
auch nur noch wenige Weichdächer im Dorf. Die Weser führte
ursprünglich sehr viel dichter am Ort vorbei. Erst durch die
Weserkorrektion wurde das Fahrwasser nach Westen verschoben. Das
alte Dorf lag unmittelbar hinter dem Deich an der schmalen gewundenen
Straße, nicht an der heutigen Durchgangsstraße.
Die Dorfstraße wurde 1840 ausgebaut. Zwei Jahrzehnte lang
hatte Rade sogar Bahnanschluß. Die Verbindung Farge-Wulsdorf-Bremerhaven
wurde 1910/11 errichtet und führte bis zum Jahre 1931 den gesamten
Verkehr durch. Noch bis 1938 fand ein Güterumschlag statt,
dann wurde der Betrieb insgesamt eingestellt.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts mußten die Landwirte nicht
nur mit den seit jeher gewohnten Überschwemmungen im Außendeichsgelände
fertig werden, sondern auch hinter dem Deich führte der nach
Ausbau der Vorfluter immer stärkere Wasserandrang von der höher
gelegenen Geest zu Überflutungen; tiefer gelegene Flächen
standen oft wochenlang unter Wasser, wenn wegen der Tidenverhältnisse
in der Weser der Sielzug nicht möglich war. Als Lösung
baute die Rader Sielacht im Jahre 1969 ein Mündungsschöpfwerk
für zwei Millionen Mark, dessen drei Pumpen in jeder Sekunde
bis zu drei Kubikmeter Wasser in das Außentief pumpen können.
Der rund 300 Einwohner zählende Ort, der bis 1885 bis zum
Amt Hagen gehörte und erst dann mit Nachbargemeinden zu Blumenthal
und später zum Kreis Osterholz kam, ist heute nicht mehr ausschließlich
landwirtschaftlich ausgerichtet, sondern viele Einwohner arbeiten
außerhalb und betreiben, wenn überhaupt, nur noch im
Nebenerwerb Landwirtschaft. Diese Verbindungen nach außerhalb
haben sicherlich zu der Aufgeschlossenheit des Dorfes geführt,
die sich unter anderem in dem schon sehr frühzeitigen Bau eines
kleinen Schwimmbades dokumentiert, das heute vor allem den Wassersportlern
für ihren Übungsbetrieb dient.
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